Veranstaltungen

Ludwig van Beethoven
Witold Lutosławski
Dmitri Schostakowitsch

Samstag, 16. März 2024 – 19.00 Uhr

Klangraum Minoritenkirche

ELIOT QUARTETT
Maryana Osipova — Violine
Alexander Sachs — Violine
Dmitry Hahalin — Viola
Michael Preuss — Violoncello

Intermezzo – Auf Beethovens Spuren in Gneixendorf
16.00 Uhr: Bustransfer vom Parkplatz Schiffstation Krems

Kooperation mit Imago Dei

Eintrittskarten siehe www.klangraum.at
Verbindliche Anmeldung für die Exkursion:
tickets@klangraum.at oder 02732 90 80 33

Ludwig van Beethoven
Große Fuge B-Dur op. 133

Witold Lutosławski
Streichquartett (1964)

Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73

 

„Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander
unterhalten.“
Johann Wolfgang von Goethe

 

Die letzten Lebensjahre Beethovens waren fast ausschließlich dem Streichquartett gewidmet – zwischen 1824 und 1826 entstanden fünf Kompositionen dieser Gattung. Sie sprengen in Ausdruck, Umfang und Dichte alle bis dahin gekannten Grenzen, so auch das sechs Sätze umfassende Quartett in B-Dur op. 130. Insbesondere der Schlusssatz, eine komplexe „Grande Fugue“, stieß bei den Zeitgenossen auf Unverständnis. Auf Anraten seines Verlegers gliederte Beethoven dieses Finale aus und es wurde als „Große Fuge“ op. 133 gesondert veröffentlicht. Als alternativen 6. Satz zum Streichquartett op. 130 schrieb er schließlich im Herbst 1826 in Gneixendorf dann ein vergleichsweise leicht bekömmliches Rondo …

Begreift Beethoven sein Streichquartettschaffen als eine Art ‚laboratorium artificiosum‘, gilt dies in ähnlicher Weise für Dmitri Schostakowitsch. Beiden wird das Arbeiten in diesem Genre zum Spiegel kompositorischer wie biographischer Befindlichkeit – dergestalt gewähren die entstandenen Musikstücke aufschlussreiche Einblicke in die Werkstatt des Künstlers. Im Kontext politischer Repression wird auf diese Weise bei Schostakowitsch das Streichquartett zu einem Zufluchtsort und Rückzugsgebiet. Das 1946 komponierte und uraufgeführte 3. Quartett in F-Dur op. 73 zeigt in seiner breitgefächerten Ausdruckspalette, zwischen Heiterkeit, Groteske und Tragik angesiedelt, einen um künstlerische wie moralische Integrität Ringenden. Und auch Witold Lutosławskis Streichquartett aus dem Jahr 1964 trägt unverkennbar metaphorische Züge, wenn festgelegte Strukturen immer wieder kreativen Freiräumen weichen und einem Ad-libitum-Ensemblespiel Raum geben.

KNOEDEL

Wunderrad

Freitag, 5. April 2024 – 20.00 Uhr

Haus der Regionen

Catherine Aglibut – Violine
Margret Köll – Tripelharfe
Alexandra Dienz – Kontrabass, Hackbrett
Walter Seebacher – Klarinette, Hackbrett
Andreas Lackner – Trompete, Glockenspiel, Hackbrett
Michael Öttl – Gitarre
Charlie Fischer – Schlagwerk
Christof Dienz – Komposition, Fagott, Zither

Kooperation mit Musik aktuell & Volkskultur Niederösterreich

„Diese Musik ist wie ein Traum –
und ich hob ab, in die Unendlichkeit.“ Felix Mitterer

 

Aufgewachsen mit der altbewährten Volksliedform bewegen sich die acht Mitglieder der Knoedel – vor mehr als 30 Jahren als „Die Knödel“ gegründet und in fast unveränderter Besetzung nach einer Bandpause von 17 (!) Jahren seit 2018 wieder gemeinsam aktiv – kompromisslos in den verschiedenen Musikstilen unseres Jahrhunderts. Mit traditionellen Instrumenten, aber wohltuenden Anleihen von Jazz bis Kammermusik verkörpert die Formation geradezu exemplarisch einen Zugang, der für frischen Wind sorgt, ohne auch nur ansatzweise prätentiös zu wirken. Die hauptsächlich von Mastermind Christof Dienz komponierten Stücke liegen so quer und genau im Trend, dass ein Weghören schier unmöglich wird. Nicht radikal, doch deutlich, manchmal bodenständig, manchmal utopistisch, aber immer voller Spielfreude, zersetzen sie die Tiroler Volksmusik mit lieblichen und avantgardistischen Einfällen und einem professionellen Gespür für den Erfolg zu einer Hommage an den pfiffigen Humor des Bauern in der Großstadt.

Auf der Suche nach Inspiration stießen die Knoedel nun auf den Osttiroler Mathematiker und Erfinder Simon Stampfer (1790–1864), der mit seinem Phenakistiskop (oder Wunderrad) den Grundstein dafür legte, was heute in der Filmtechnik unter dem Stichwort Stop-Motion bekannt ist, wenn aus einzelnen Bildern die Illusion einer fortlaufenden Bewegung entsteht. Der namensgebende Musiktitel „orientiert sich an den nicht ganz rund laufenden Wunderrädern von Stampfer. Das Stück arbeitet mit verschieden schnellen Tempi und ist auch etwas in der Unwucht“ (Christof Dienz). Die Kompositionen, die manchmal wie musikalische Karusselle wirken, lassen an Kurt Weill denken – ob ihres motorischen Charakters zuweilen an Minimal Music. Zusammen mit dem speziellen Instrumentarium verschmilzt alles zu einem ganz individuellen Mix. Er bietet Raffinement, heitere Pointen und verpackt die Klänge in Atmosphären, die an den Zauber zierlich-wehmütiger Spieldosen erinnern.

GEBURTSTAGSKONZERT

80 Jahre Alfred Endelweber

Samstag, 8. Juni 2024 – 19.30 Uhr

Piaristenkirche Krems

Monika Waeckerle – Alt
Bernhard Berchtold – Tenor
Robert Holl – Bass
Symphonieorchester Niederösterreich
Mitglieder des Chorus Musica Sacra
Alfred Endelweber – Musikalische Leitung

Kooperation mit KirchenTonArt Krems & IMC Krems

Wolfgang Amadé Mozart
Kirchensonate C-Dur KV 336

Georg Friedrich Händel
Concerto grosso F-Dur op. 6/2 HWV 320

Joseph Haydn Symphonie Nr. 30 C-Cur „Alleluja“ Hob I:30

Johann Sebastian Bach
Kantate „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ BWV 117

 

„Wem die Kunst das Leben ist,
dessen Leben ist eine große Kunst.“ Johann Sebastian Bach

 

Jahrzehntelang prägte Alfred Endelweber die Kremser Musikszene als engagierter Leiter des von ihm 1970 gegründeten Chorus Musica Sacra Krems. Ein festliches Chor-Orchester-Konzert präsentiert die breite Palette seines musikalischen Wirkens. Eröffnet wird das Programm mit Wolfgang Amadé Mozarts Kirchensonate KV 336 aus dem Jahr 1780. In seiner Funktion als Hoforganist in Salzburg schrieb Mozart diese kurze einsätzige Sonate, in der die Orgel, von zwei Violinstimmen und Bass begleitet, deutlich führend, ja fast konzertierend solistisch hervortritt.

Georg Friedrich Händels Concerto grosso in F-Dur op. 6/2, als eines der Twelve Grand Concertos im Jahr 1739 komponiert, zählt zu den Meisterwerken festlicher spätbarocker Orchestermusik. Gehalten im repräsentativen Stil der italienischen Concerti eines Arcangelo Corelli mit ihrem kontrastreichen Wechselspiel zwischen klein besetztem Concertino – zwei Solo-Violinen in Violoncello-Begleitung – und großem Orchester-Tutti, fanden die Konzerte beim englischen Publikum sogleich begeisterte Aufnahme. Joseph Haydns dreisätzige Symphonie aus dem Jahr 1765 erhielt ihren Beinamen durch die Verwendung des gregorianischen Alleluja der österlichen Liturgie im Hauptthema des ersten Satzes. Eventuell auch im kirchlichen Kontext aufgeführt, zeigt der schließende dritte Satz unverwechselbare Originalität, wenn sich Menuett und Finale zu einem rondoartigen Allegretto vereinen. Inhaltlicher Höhepunkt dieses Festkonzertes ist die „vom Geist des Tanzes durchdrungene“ (Simon Crouch) Kirchenkantate „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ von Johann Sebastian Bach.

BEETHOVEN-FESTIVAL GNEIXENDORF

Beziehungsweise(n)

Tschaikowski
Mozart & Schnittke
Hummel & Beethoven

Freitag, 13. bis Sonntag, 15. September 2024

Schloss Wasserhof | Schüttkasten

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Wolfgang Amadé Mozart & Alfred Schnittke

Johann Nepomuk Hummel & Ludwig van Beethoven

 

„Musik ist die Kurzschrift des Gefühls.“ Leo Tolstoi

 

Zum bereits fünften Mal findet im stimmungsvollen Ambiente von Schloss Wasserhof ein dreitägiges Musik-Festival im Zeichen des Genius Loci Ludwig van Beethoven statt. Auf dem diesjährigen Programm stehen ausgewählte Meisterwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts, die aus unterschiedlichen Perspektiven Kammermusik in ihrer faszinierenden Beziehungsvielfalt beleuchten wollen. Diese findet sich zuallererst im Werk selbst im beziehungsreichen Dialog der Stimmen – sei es im Duo, Trio, Quartett oder größeren Besetzungen. Goethes berühmt gewordenes Aperçu „Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten, glaubt ihren Discursen etwas abzugewinnen und die Eigenthümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen“ benennt zentrale Prinzipien kammermusikalischer Kommunikation. Denn neben kompositorischer Wechselwirkung ist es die aufführungspraktische, welche ein subtiles Zusammenspiel der ausführenden Musizierenden verlangt. Erst ein ausbalanciertes In-Beziehung-Treten der Ausführenden fügt sich zum homogenen Ganzen, lässt den Hörenden im Publikum ihren „Discursen etwas abgewinnen.“

Beziehungs-Weisen eröffnen sich gleichermaßen im Emotionalen, wenn Musik als „le langage du coeur“ (Jean-Jacques Rousseau) zu einer Empfindungssprache wird. Die Fülle von Intensität und Inspiration reicht dabei im musikalischen Programm des Festivals etwa von einer durch jahrelange Briefkorrespondenz engen Verbindung zwischen Pjotr Iljitsch Tschaikowski und seiner Mäzenin Nadeschda von Meck über beziehungsreiche Hommagen bei Wolfgang Amadé Mozart und Alfred Schnittke bis zu konkurrierend-respektvoller Künstlerfreundschaft zwischen Johann Nepomuk Hummel und Ludwig van Beethoven.

BEETHOVEN-FESTIVAL GNEIXENDORF

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Freitag, 13. September 2024 – 19.00 Uhr

Schloss Wasserhof | Schüttkasten

TRIO ARTIO
Judith Fliedl – Violine
Christine Roider – Violoncello
Johanna Estermann – Klavier

Mercedes Echerer – Rezitation
Christoph Schobesberger – Rezitation

Manfred Permoser – Moderation

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Klaviertrio a-Moll op. 50

 

„Ihre Freundschaft ist mir jetzt ebenso notwendig wie die Luft zum Atmen.“ Pjotr Iljitsch Tschaikowski

 

„Sehr geehrter Peter Iljitsch! Gestatten Sie mir, meinen herzlichen Dank für die schnelle Erfüllung meiner Bitte auszusprechen. Es ist überflüssig, Ihnen zu sagen, wie begeistert ich von Ihrer Komposition bin. Mir ist meine Freude an Ihrer Musik so teuer, dass niemand darüber lächeln soll. Deshalb sage ich nur – und ich bitte Sie, mir aufs Wort zu glauben – dass es sich mit ihrer Musik leichter und angenehmer leben lässt.“ Mit diesen Zeilen beginnt eine der außergewöhnlichsten Beziehungsweisen der Musikgeschichte, als im Dezember 1876 die wohlhabende, musikbegeisterte Witwe Nadeschda von Meck nach dem Erhalt einer Auftragskomposition dem Komponisten ihre Verehrung und Bewunderung bezeugt. Es ist der Anfang einer fast 14-jährigen Korrespondenz mit über 1200 Briefen – die jedoch nach einvernehmlicher Abmachung von keinen persönlichen Kontakten begleitet wurden!

Diese rein platonische Beziehung entsprach wohl auch den in ihrer Menschenscheu und Zurückgezogenheit ähnlichen Wesensarten der Protagonisten. Umso mehr lässt die Seelenverwandtschaft der beiden tiefe Einblicke in Tschaikowskis Charakter und Schaffensprozess zu. Dies gilt etwa für die drei Charakterstücke „Souvenir d’un lieu cher“ in der Besetzung Violine und Klavier, geschrieben im Jahr 1878 als melancholische „Erinnerungen an einen liebgewonnenen Ort“ – womit das Mecksche Landgut Brailovo gemeint ist, auf dem sich der erholungsbedürftige Komponist zwei Wochen im Mai 1878 aufhielt. Das epische Klaviertrio a-Moll op. 50, entstanden in Rom im Winter 1881/1882, bringt mit seiner zutiefst elegischen Grundstimmung ebenfalls „Beziehungs Weisen“ zum Klingen. Gewidmet „À la mémoire d’un grande artiste“ wurde das Werk auf den Tod des verehrten Pianisten Nikolai Rubinstein geschrieben.

BEETHOVEN-FESTIVAL GNEIXENDORF

Wolfgang Amadé Mozart &
Alfred Schnittke

Samstag, 14. September 2024 – 19.00 Uhr

Schloss Wasserhof | Schüttkasten

ACIES QUARTETT
Benjamin Ziervogel – Violine
Raphael Kasprian – Violine
Jozef Bisak – Viola
Thomas Wiesflecker– Violoncello

Clemens Zeilinger – Klavier

Manfred Permoser – Moderation

Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414

Alfred Schnittke
Klavierquintett

 

„In Schnittkes Musik reichen sich die Jahrhunderte die Hand.“
Karl Böhmer

 

Nichts dokumentiert Mozarts enge Wechselbeziehung zu seinem Publikum besser als die eigene Beschreibung seiner ersten Wiener Klavierkonzerte KV 413 bis 415 aus den Jahren 1782/1783. Als „Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht“ sowohl für Kenner wie auch für Laien verständlich, garantierte deren Erfolg nicht zuletzt eine alternative kammermusikalische Version vom Komponisten selbst, in der das Klavier „a quattro, nämlich mit 2 Violinen, 1 Viola und Violoncell“ begleitet wird.

Die Beziehungen des deutsch-russischen Komponisten Alfred Schnittke (1934–1998) zum traditionellen Repertoire sind vielschichtig und prägten seine pluralistische Musiksprache nachhaltig. So lässt sich sein unverwechselbarer Personalstil als ein von zahllosen Querverweisen durchzogenes Beziehungsgeflecht charakterisieren. In immer neuen originellen Wendungen und überraschenden Einschüben werden Bezüge zu bekannten Werken ironisch gebrochen, Avantgardistisches gegen Konventionelles gestellt. Ein perfektes Beispiel für diesen Polystilismus ist „Moz-Art“, ein skurriles und humorvolles Stück für zwei Violinen aus dem Jahr 1977. Basierend auf der ersten Violinstimme aus Mozarts unvollendeter Musik zu der Faschingspantomime „Pantalon und Colombine“ KV 446 und assoziativen Einblendungen aus dessen g-Moll-Sinfonie KV 550, verweist dieses kurze Duo auf Schnittkes lebenslange Beziehung zur Wiener Musiktradition, die er schon als Student auch vor Ort kennenlernte. Den Weg der Intuition und des Assoziativen beschreitet Schnittke ebenso in seinem beziehungsreichen Klavierquintett. Zu Beginn der Komposition 1972 kurz nach dem Tod seiner Mutter war das fünfsätzige Werk als „instrumentales Requiem“ gedacht. Weiters lassen Passagen des erst vier Jahre später vollendeten Quintetts quasi als Hommage an das Schaffen des 1975 verstorbenen Kollegen Dmitri Schostakowitsch denken …

BEETHOVEN-FESTIVAL GNEIXENDORF

Johann Nepomuk Hummel &
Ludwig van Beethoven

Sonntag, 15. September 2024 – 11.00 Uhr

Schloss Wasserhof | Schüttkasten

Klara Flieder – Violine
Gregor Reinberg – Violine
Severin Endelweber – Viola
Christophe Pantillon – Violoncello
Tommaso Huber – Kontrabass
Biliana Tzinlikova – Klavier

Manfred Permoser – Moderation

Johann Nepomuk Hummel
Klavierquintett es-Moll op. 87

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15

 

„Gleichermaßen Demonstration seiner Virtuosität und als dramatisches Medium.“ William Kinderman

 

Als Zeitgenosse von Ludwig van Beethoven stand Johann Nepomuk Hummel in enger freundschaftlicher Beziehung zum acht Jahre Älteren. Hummel, als Privatschüler Mozarts bereits in jungen Jahren erfolgreicher Klaviervirtuose, dürfte Beethoven bereits in den 1790er Jahren kennengelernt haben. Spätestens mit der Heirat der Opernsängerin Elisabeth Röckel, einer engen Beethoven-Freundin – ihr ist möglicherweise das Albumblatt „Für Elise“ gewidmet –, intensivierte sich die Freundschaft zwischen den beiden Musikern. So wirkte Hummel auch bei der triumphalen Uraufführung von Beethovens Schlachten- Symphonie „Wellingtons Sieg“ im Dezember 1813 mit; der Dankesbrief vom Februar 1814 schließt mit „Dein Freund Beethowen“ [sic]. Des Weiteren findet sich zwei Jahre darauf in Hummels Stammbuch ein von Beethoven geschriebener Kanon mit dem programmatischen Titel „Ars longa, vita brevis“. Hummel und seine Frau zählten auch zu den letzten Besuchern des todkranken Beethoven am Sterbebett.

Von Hummels Kammermusikwerken sticht besonders das im Jahr 1802 komponierte Klavierquintett es–Moll op. 87 hervor, dessen Eingangssatz deutlich den pathetisch-heroischen Gestus der Musik Beethovens aufnimmt. Dessen berühmtes Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 entstand 1795 bis 1801 und beschließt in einer Bearbeitung für Klavier und Streichquintett von Vinzenz Lachner und Sigmund Lebert aus dem Jahr 1881 das diesjährige BEETHOVEN-FESTIVAL GNEIXENDORF.

Musikfilm: Tár

Samstag, 19. Oktober 2024 – 17.00 Uhr

Kino im Kesselhaus

Dirigentin Elisabeth Attl im Gespräch mit Severin Endelweber

Kooperation mit Kino im Kesselhaus

Tickets auf www.kinoimkesselhaus.at

Musikfilm: Tár

Regie, Drehbuch & Produktion: Todd Fields
Kamera: Florian Hoffmeister
Schnitt: Monika Willi
Cast: Cate Blanchett, Nina Hoss,
Noémie Merlant u. a. m.
USA 2022, 158 Min.

 

„Das ist ein Film, der dem Publikum nicht das Denken abnimmt.“
Florian Hoffmeister

 

Tár zeichnet das Bild einer hochkomplexen Frauenfigur und gleichzeitig ein provokantes Portrait des klassischen Musikbetriebes. Mit hohem Detailgrad und einer offenkundigen Kenntnis der Musikwelt zeigt dieser Film den Arbeitsalltag einer berühmten Dirigentin. Wir lauschen Lydia Tár beim Interview und begleiten sie bei Orchesterproben oder Masterclasses, die sie leitet. Die Einblicke in Társ Berufswelt erscheinen derart authentisch, dass man glauben könnte, bei der fiktiven Stardirigentin handle es sich um eine reale Person. Dieser Authentizitätsanspruch des Films wird maßgeblich gestützt von der Bildgestaltung durch Florian Hoffmeister. Seine präzise und nüchterne Kamera betrachtet das Geschehen aus einer dokumentarischen Distanz, die nur hin und wieder von symbolisch aufgeladenen Bildern gebrochen wird.

Der Film bringt viele Themen aufs Tableau, bezieht selbst aber nur zu wenigen Stellung. Er ist vorrangig damit beschäftigt, die Psyche seiner Hauptfigur auszuleuchten und ihren Umgang mit den aufgeworfenen Fragen zu zeigen. Weil Tár zwar eine Reihe an Problemen und Fragen ausbreitet, deren Deutung aber gänzlich dem Publikum überlässt, vermeidet der Film die Falle, zu simple Antworten auf komplexe Fragestellungen zu geben. Der Film wurde 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt, die Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Cate Blanchett vielfach preisgekrönt.

KAMMERMUSIK ERKLÄRT GEHÖRT

200 Jahre Bedřich Smetana

Donnerstag, 21. November 2024 – 19.30 Uhr

Kloster UND

ARIOSO QUARTETT WIEN
Martin Klimek – Violine
Libor Meisl – Violine
Wolfgang Prochaska – Viola
Benedikt Endelweber – Violoncello

Manfred Permoser – Moderation

Bedřich Smetana

Streichquartett Nr. 1 e-Moll
„Aus meinem Leben“

 

„Ich fürchte das Äußerste: dass ich völlig mein Gehör verloren habe.“ Bedřich Smetana

 

Schicksalshaft ist das Leben von Bedřich Smetana, dessen 200. Geburtstag von 2. März wir mit diesem Gesprächskonzert feiern möchten, mit jenem Beethovens verbunden – bei beiden führte ein Gehörleiden letztendlich zur völligen Ertaubung und gesellschaftlichen Isolation. Smetanas programmatisches Streichquartett aus dem Jahr 1876 erzählt von dieser Tragik. Der Untertitel „Aus meinem Leben“ verweist auf den autobiographischen Inhalt des viersätzigen Werkes, in dem der Komponist in leidenschaftlichen und zugleich resignativen Dialogen seine Lebenszeit musikalisch Revue passieren lässt.

Besonders drastisch wird der mit einem Tinnitus sich ankündigende Hörverlust nahezu schmerzhaft in Musik gesetzt. Dazu Smetana in einem Brief vom April 1878: „Was ich beabsichtigte, war den Verlauf meines Lebens in Tönen zu schildern. Erster Satz: Neigung zur Kunst in meiner Jugend, romantische Stimmung, unaussprechliche Sehnsucht. Gleichzeitig melden sich schon in diesem Beginn die Warnung vor dem künftigen Unglück und der langanhaltende Ton, das viergestrichene E, aus dem Finale; es ist dies jenes verhängnisvolle Pfeifen in den höchsten Tönen, das 1874 in meinen Ohren entstand und mir die beginnende Taubheit anzeigte.“ Reminiszenzen an eine heitere Jugend, Liebe und nationaler Stolz (im 2., 3. und 4. Satz) finden in der finalen Coda ihr abruptes Ende: „ominöse Katastrophe: Beginn der Taubheit. Ausblick in eine freudlose Zukunft, ein kleiner Schimmer der Hoffnung auf Besserung, schließlich doch nur ein schmerzliches Gefühl.“ Das Arioso Quartett Wien, dessen philharmonischer Primgeiger und Cellist aus der Region Krems stammen, begeht mit diesem Konzert sein 30-jähriges Bestehen.

KÖCHEL-PROMENADE

Auf Mozarts Spuren

durch Krems und Stein

„Nachts waren wir zu Stein …“
Wolfgang Amadé Mozart, 1762

 

Aus Anlass des 20jährigen Jubiläums der 1995 konstituierten Köchel Gesellschaft Krems wurde mit der „Köchel-Promenade“ ein nachhaltiges Beispiel interaktiver Auseinandersetzung mit musikalischem Erbe gesetzt. 20 Stationen zu musikalisch bedeutenden Gebäuden, Höfen und Plätzen sollen Besucherinnen wie Besuchern interessante Eindrücke einer überaus reichhaltigen Tradition und der lebendigen Gegenwart unserer Kulturstadt ermöglichen. Die Musikbeispiele sowie viele weitere Informationen können via Smartphone auch direkt vor Ort abgerufen werden und machen auf diese Weise einen virtuellen Themenweg mit Audioguide unmittelbar erlebbar. Die Finanzierung der „Köchel-Promenade“ ist durch Subventionen der Kulturabteilungen der Stadt Krems und des Landes Niederösterreich mit Beteiligung der „Ludwig Ritter von Köchel Gesellschaft“ realisiert worden. Zudem haben Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft und private Geldgeber die Patenschaft für einzelne Stationen übernommen.

Idee & Konzept: Severin Endelweber und Manfred Permoser

Sprecher: Albert Hosp

BEETHOVEN IN GNEIXENDORF

Schautafeln vor Schloss Wasserhof

„Wir schreiben Ihnen hier von der Burg des Signore fratello.“
Ludwig van Beethoven, 1826

 

„Freu dich des Lebens“ notiert Ludwig van Beethoven in sein Konversationsheft, als er Ende September 1826 am Gut des Bruders Johann die spätsommerliche Landidylle Gneixendorfs genießen konnte. Gemeinsam mit seinem Neffen Karl fand er auf Schloss Wasserhof die lang ersehnte Ruhe und Erholung. Noch einmal findet Beethoven in der ländlichen Umgebung die Inspirationsquelle eines einzigartigen Schaffensprozesses. Mit den Finalsätzen zu den Streichquartetten op. 130 und op. 135 entstehen dort seine letzten bedeutenden Kompositionen. Als nachhaltige Ergänzung zur Veranstaltungsreihe BEETHOVEN 2020 @ KREMS präsentiert die Köchel Gesellschaft Krems nun eine frei zugängliche Dauerausstellung am Schloss Wasserhof in Gneixendorf. Auf vier Schautafeln an der Fassade dieses musikhistorisch einzigartigen Gebäudes werden Aufenthalt, Alltag, Komponieren und Nachleben des ‚Mythos Beethoven‘ illustriert. Die musikalische Umrahmung der Eröffnungsveranstaltung durch das Koehne Quartett fand am 11. Juni 2021 im barocken Schüttkasten des Schlosses statt – mit Ausschnitten aus den in Gneixendorf entstandenen Streichquartettwerken.